PDA

View Full Version : DRM-Spezial


gongo
16-06-2007, 10:46
Hallo,
wir haben nun ein kleines Spezial zum Thema DRM online. Es besteht aus einem Testbericht des Roadstar TRA 2350P (im Analogempfang) und einem Test mit 12 kHz-Konverter und Dream. Dieser teil richtet sich an Leser, die bislang mit DRM nicht zu tun hatten. Weiterhin gibt es dort eine Analyse der Systemstärken und -Schwächen von Nils Schiffhauer. ADDX-Kurierleser kennen die gesamte Analyse nur in Auszügen. Das dürfte eher etwas für Leser sein, die mit der DRM-Systemarchitektur schon recht gut vertraut sind. Ich schätze mal, besonders die externen Links zu Detailfragen zu den logischen Kanälen und AMSS sind wertvoll.

Wen es interessiert: http://www.rein-hoeren.de/drm.shtml ist der beste Einstieg.

Nebenbei bemerkt: Über den Morphy-Richards und den kommenden Sangean zum Elad und zum Winradio haben wir Informationen. Für die Produktübersicht anderer SDRs oder Selbstbauempfänger sind Beschreibungen und Bilder sehr willkommen. Einfach als Mail an uns senden.

73,
Mario

andimik
18-06-2007, 12:10
Kann das sein, dass ein paar Abbildungen fehlen, auf denen im Text eingegangen wird?

Außerdem ist ein kleiner Tippfehler passiert, 1485 kHz statt 1475 kHz ist für die lokale Versorgung.

Sonst guter Artikel eines langjährigen Profis.

dadalbinder
20-06-2007, 14:33
Hallo,

es ist schon interessant, immer wieder auf Systembelange von DRM hingewiesen zu werden. Auch der Apparat der Analysesoftware wird ja nun immer ausgefeilter und größer. Da sollte man als User eigentlich zufrieden sein. Ich bin es aber nicht, weil bestimmte Dinge immer nicht deutlich genug ausgedrückt werden und darüber informiert wird. Ich will das einmal schlagwortartig machen.

1. Ist Digital Radio Mondial eigentlich ein digitales Signale oder ein Komposition von AM-Modulationsreihen, die im Gesamtsignal aufgehen? Das Signal ist wohl?? nicht digital sondern analog aufmoduliert?

2. DRM oder Digitalfunk wird so oder so eingeführt werden, weil die Politik hier die Hand drauf haben will. Ein europäischer Standard wird dafür sorgen, daß Regionen, die mit anderen Parameter oder sogar Standards arbeiten, im Normalfall gar nicht mehr empfangen werden können.

3. Das Geschehen um DVB-T, wo jetzt ein neuer Standart eingeführt werden soll, wo Millionen von Empfängermodulen im Fall des Umschaltens nicht benutzbar werden, ist ein schöner Fall von automatischer Gestaltung durch die Politik.

4. Die Störungen zwischen DRM und AM etwa sind bisher alleine zu sehr Thema der Betrachtung gewesen. Auch die AM-Frequenzen werden gestört durch AM-Signale und auch digitale Träger mit Modulation, die man überall findet.

5. AM zu AM Störungen: Schaut man sich beispielsweise das Senderspektrum von 6065 bis 6100 kHz mit allen in Frage kommenden Stationen auf der Welt an und berücksichtigt die Faktoren:

- Jahreszeit

- Tageszeit

als ewig sich verändernde Faktoren, wundert man sich eben nicht mehr, daß mitten im DRM-Signal etwa des BR auf 6085 digital analoge Signale nicht nur im russischen Sprachbereich durchkommen. Besonders nachdrücklich sind zeitweise Signale, die 6075 DW, konkurrenzieren. Also nicht nur Sender auf 6075 sondern auch auf 6070, 6080 usw.

Diese AM-Störungen treten in bestimmten Konstellationen immer wieder im Verlauf eines Jahres auf.

6. Die auch kostenlose vorhandene Software ermöglicht inzwischen auch Störungen, fremde Signale etwa durch ausnotchen hörbar oder unhörbar zu machen. Ein User sieht bei Interesse sehr viel mehr als bislang mit der Empfänger-Hardware allein.

7. Die Dekodierungsqualität der diversen Dekodierungssoftware ist so gut, daß ja auch analoge Signale in Stereo-Anlagen-Qualität dekodiert und gehört werden können. Mit anderen Worten: Die SDR-Technik ob mit oder ohne I/Q ermöglicht Audioqualitäten, die in der Empfänger-Hardware immer noch hochgebetet werden, aber nur im Fall eines unverhältnismäßig hohen Preises erreicht werden können! Für AM, FM, DRM und auch Besserung für SSB.

8. In Frage steht die Zukunft der Anbieter der DX-Schlachtschiffe, die preislich und wirkungstechnisch überholt zu werden drohen. Keine Anzeigen mehr in Fachblättern für Empfänger als zukünftige Entwicklung?

9. Die Medienvielfalt der DRM-Eigenschaften werden von allen Versuchssendern eher heruntergefahren und banalisiert als schelchter Abklatsch der sendereigenen Internet-Seiten.

10. Das große Interesse an DRM wurde weitgehend senderseitig und verbandsmäßig heruntergefahren. Der Rest wird so in wenigen Jahren Zwangsumstellung auf digitales Radio sein.

11. Zukünftige Versorgungskonzepte werden ohne den Wirt: Energiekosten für technisch mögliche Optimierungen diskutiert. Genauso, wie DAB abgewirtschaftet scheint und kaum regionale beschränkte Kommerzstationen ausreichender Anzahl zu finden sind, so wird es auch mit den vermatschten neuen Techniken passieren.

Die Gruppe der wenigen Interessierten wird sich zu helfen wissen. Am Thema wird aber generell herum-massen-mediert in einer von wem eigentlich gewünschten Ziel? Lassen wir uns als Spielball nutzen und Schafe?

Wolfgang Hartmann, 49N28, 11E00

DRM-OM
22-06-2007, 22:39
1. Ist Digital Radio Mondial eigentlich ein digitales Signale oder ein Komposition von AM-Modulationsreihen, die im Gesamtsignal aufgehen? Das Signal ist wohl?? nicht digital sondern analog aufmoduliert?

Jede Modulation ist analog, digital sind nur die Quellsignale.
DRM wird in 16- oder 64-QAM ausgestrahlt (zumindest die Nutzinformation), das ist vorstellbar als eine Kombination aus Amplituden- und Phasenmodulation mit jeweils 4 bzw. 8 Zuständen. Das bezieht sich auf jeden Einzelträger.

2. DRM oder Digitalfunk wird so oder so eingeführt werden, weil die Politik hier die Hand drauf haben will. Ein europäischer Standard wird dafür sorgen, daß Regionen, die mit anderen Parameter oder sogar Standards arbeiten, im Normalfall gar nicht mehr empfangen werden können.

Zu denken geben sollte die Tatsache, daß inzwischen Rußland und China die größten Interessenten für das DRM-System sind, was von den DRM-Verantwortlichen begrüßt wird als Aussicht für "preiswerte Geräte für den Massenmarkt", zumindest in China denke ich wird sich eher die Zensur technisch aufrüsten ...

3. Das Geschehen um DVB-T, wo jetzt ein neuer Standart eingeführt werden soll, wo Millionen von Empfängermodulen im Fall des Umschaltens nicht benutzbar werden, ist ein schöner Fall von automatischer Gestaltung durch die Politik.

Politik im Verbund mit Wirtschaft, die Frage ist hier, wer der treibende Faktor ist. Ich seh's als eine Art von modernem Konjunkturprogramm zum Wohle der Aktionäre, vergleichbar mit der Enteignung von Millionen Autobesitzern durch Fahrverbote. Wer sich's nicht leisten kann, hat eben Pech gehabt ...

4. Die Störungen zwischen DRM und AM etwa sind bisher alleine zu sehr Thema der Betrachtung gewesen. Auch die AM-Frequenzen werden gestört durch AM-Signale und auch digitale Träger mit Modulation, die man überall findet.

Der Unterschied ist nur: analog stört's halt mehr oder minder, digital ist's weg. Ein Wort-Infoprogramm wird damit sehr schnell sinnlos, weil inhaltlich nicht mehr verfolgbar.
B5aktuell ist aus diesem Grunde für mich die meiste Zeit des Tages nutzlos!

7. Die Dekodierungsqualität der diversen Dekodierungssoftware ist so gut, daß ja auch analoge Signale in Stereo-Anlagen-Qualität dekodiert und gehört werden können. Mit anderen Worten: Die SDR-Technik ob mit oder ohne I/Q ermöglicht Audioqualitäten, die in der Empfänger-Hardware immer noch hochgebetet werden, aber nur im Fall eines unverhältnismäßig hohen Preises erreicht werden können! Für AM, FM, DRM und auch Besserung für SSB.

... ist inzwischen mein Haupteinsatzgebiet meiner angeschafften DRM-Technik: AM-Signale mit Hilfsträger und geeigneter Einseitenband-Filterung demodulieren, zusammen mit der Möglichkeit, direkt auf dem decodierenden PC Mitschnitte machen zu können, ohne Umweg über Cassettenrecorder etc.

9. Die Medienvielfalt der DRM-Eigenschaften werden von allen Versuchssendern eher heruntergefahren und banalisiert als schelchter Abklatsch der sendereigenen Internet-Seiten.

War bei DAB auch schon so: was wurde da an "Mehrwertdiensten" alles angepriesen, aber wer braucht's denn wirklich? Das ist wirklich kein Kriterium, sich ein neues Radio zu kaufen.
Einschränkung: bei DRM ist der EPG und der digitale Sendeplan/Alternativfrequenzlisten wirklich eine für den Nutzer nützliche Errungenschaft. Letzteres ging als AMSS/AMDS aber schon lange auch analog.

10. Das große Interesse an DRM wurde weitgehend senderseitig und verbandsmäßig heruntergefahren. Der Rest wird so in wenigen Jahren Zwangsumstellung auf digitales Radio sein.

Zuviele Versprechungen eben, zuwenig Umsetzung

Genauso, wie DAB abgewirtschaftet scheint und kaum regionale beschränkte Kommerzstationen ausreichender Anzahl zu finden sind, so wird es auch mit den vermatschten neuen Techniken passieren.

...

Die Gruppe der wenigen Interessierten wird sich zu helfen wissen. Am Thema wird aber generell herum-massen-mediert in einer von wem eigentlich gewünschten Ziel? Lassen wir uns als Spielball nutzen und Schafe?

Ich frag mich was ganz anderes:
Wie lange macht der Verbraucher das ganze Theater noch mit mit ständig neuen Techniken, die nach kurzer Zeit schon wieder obsolet sind - oder hat er schon die Schnauze voll?

Video2000/vom Markt - DSR/abgeschaltet - DAB/neuer Standard - ADR/demnächst abgeschaltet - (...)

also lieber erst mal abwarten ... (!) ...

gongo
01-07-2007, 17:44
Ich weiß nicht so recht, ob man das Fass mit der möglichen Verschlüsselung oder Empfangsparametereinschränkung wirklich aufmachen soll.
Es ist zwar richtig, dass jedes digitale Übertragunsgverfahren Möglichkeiten zur Verschlüsselung bietet. Nils Schiffhauer spricht diesen Umstand ja auch kurz an. Die Befürchtung, dass China einen Volksempfänger baut, der nur zensierte Radiostationen durchlässt, halte ich für wenig realistisch. China spielt eine immer größere Rolle in der internationalen Politik und wer Verantwortung einfordert, muss selbst verantwortlich handeln. Die Frage der Marktöffnung ist dabei ein Faustpfand für eine letzlich liberale Entwicklung. (Salopp gesagt: Die Politik kümmert sich wenig um die Moral, aber beim Geld im Form von Aussenhandel hört der Spass dann auf.)

Die Aussage, dass die Politik die Hand auf DRM haben will, sehe ich nicht. Derzeit ist Auslandsrundfunk kein Thema für die multilaterale Agenda der Politik. Dafür ist er in Europa zum Beipiel zu bedeutungslos. DRM könnte hier eine Änderung der Wertigkeit und Wahrnehmung des Auslandsrundfunks bewirken. Das ist eigentlich auch Sinn der Übung. Trotz etlicher Einführungsfehler von DRM, die arg an die falschen Prämissn der DAB-Einführung erinnern, glaube ich kaum, dass für DRM in den nächsten Jahren ein Technikupdate zur Debatte steht.

Ein Problem für DRM in Europa ist der mangelnde Bekanntheitsgrad und ein Mangel an Endgeräten. Viele Hersteller sagen mir, sie sähen in Europa dafür keinen Markt und für die Veranstalter keinen "Business-Case". Man versteht den Markt der Auslandsdienste sowieso nicht und für die Mittelwelle weiß man einfach noch gar nicht, wie sich solche Angebote in den nächsten Jahren unter den Eindruck nationaler digitaler Hörfunkangebote entwickeln. Ich verstehe das; wage da auch keine Prognose, hoffe aber auf die realen DRM-Anwendungen in Frankreich, Russland und China.

Unser DRM-Spezial ist übrigens ein voller Erfolg. Da rein-hoeren.de thematisch ja etwas breiter aufgestellt ist, kommen selbst harmlose Radiofreunde ohne DX-Hintergrund auf das DRM-Gleis.